Toubkal-Trekking

Veröffentlicht am von

Durch den Hohen Atlas samt Toubkal-Besteigung
5. – 12. August 2017

In Marrakech und die Umgebung hatten wir uns bereits bei unserer letzten Urlaubsreise verliebt. Bei einem Ausflug in die Berge des Atlas stand sofort fest: Hierhin kommen wir zurück – aber dann nicht nur für einen Tag.

So haben meine Tochter und ich im Internet recherchiert, was für Trekking-Touren im Atlas-Gebirge angeboten werden, wie diese aufgebaut sind und wie das Preis-/ Leistungsverhältnis ist. Schnell waren wir uns einig, es mit dem Anbieter „Kultur Natur Marokko“ zu versuchen, denn hier gefiel uns nicht nur die Gestaltung der Website sehr gut, sondern die Reiseplanung erschien stimmig und auch der Preis passte.

Ja, und so standen wir tatsächlich am 5. August 2017 auf dem Flughafen in Marrakech, schauten uns nach unserem Reiseleiter um und waren erleichtert, als ein sehr sympathischer junger Mann auf uns zukam und sich als Zakaria, unser Bergführer und Reiseleiter während der kommenden Woche, vorstellte.

Am 6. August 2017 dann ging die Wanderung mit Startpunkt in Ait Ouissadene los. Dort luden wir unser Gepäck auf das Begleit-Maultier, das dem Maultiertreiber Ibrahim gehörte, der in den nächsten 5 Tagen auch für unser leibliches Wohl sorgte.

So begann die wundervolle Wanderung, die ihren Höhepunkt mit der Besteigung des Toubkal erreichen sollte.

 

bergwärts mit leichtem Tagesrucksack

 bergwärts mit leichtem Tagesrucksack

 

In den Tag starteten wir jeweils mit einem liebevoll zubereiteten Frühstück. Anschließend wurde unser Maultier bepackt. Los ging es meist um 9.00 Uhr. Die Wanderungen verliefen auf kleinen schmalen Pfaden durch das Atlas-Gebirge und oft trafen wir über Stunden nur einige wenige beladene Maultiere, die Ware von einem Ort zum anderen brachten. Zakaria erklärte uns in sehr gutem Deutsch viel über die Berge, die Nomadenbevölkerung und die Vegetation. Nach ungefähr 3 Stunden Wanderung hatte zumeist an einer wunderschönen Stelle unser Koch ein Picknick aufgebaut oder aber in einer Unterkunft etwas zubereitet, so dass wir uns jedes Mal mit gutem Appetit zum Essen hinsetzten.

 

köstlicher, bunter Salatteller mit Pasta

 köstlicher, bunter Salatteller mit Pasta unter freiem Himmel

 

Wenn am Nachmittag keine Fortsetzung der Wanderung anstand, brachte uns Zakaria zu den beeindruckenden Wasserfällen, die im Atlas-Gebirge an ganz versteckten Orten die Bergwände herunterstürzen. Hier waren wir ganz für uns und konnten die unberührte Natur genießen und den Wasserfällen zuschauen.

 

Bergpfad auf dem Toubkal-Trekking

Bergpfad auf dem Toubkal-Trekking

 

Am frühen Abend kehrten wir in unsere Unterkunft zurück. Stets waren es kleine Gasthäuser, die für Wanderer einfache Zimmer anbieten und dem begleitenden Koch in einer Küche die Möglichkeit geben, das warme Abendessen zuzubereiten. In der Tat gehörte das Abendessen zu einem der Höhepunkte des Tages, denn wer Coucous und Tajine mag, der wird diese Speisen, so ganz frisch zubereitet, besonders lieben.

 

gemütliche Schlafstätte in einem einfach Gasthaus

eines unserer gemütlichen Zimmer in einfachem Gasthaus

 

Tajine mit frischem Gemüse und Oliven

Tajine mit frischem Gemüse und herrlichen Oliven

 

Die Tage verliefen wie im Fluge und dank unseres unglaublich belesenen Begleiters Zakaria war jeder einzelne Tag mit neuen Informationen, Eindrücken und Geschichten gefüllt.

Schon nahte der Tag der Gipfelbesteigung und in der Tat stieg die Nervosität und der Respekt vor der eigenen Entscheidung. Am Toubkal-Refugium angekommen, befanden wir uns unter vielen Wanderern, denen es ähnlich ging und die wie in der Ruhe vor dem Sturm in den Aufenthaltsräumen saßen oder lagen und sich still unterhielten. Meine Tochter und ich bezogen unser Quartier – das untere Bett eines Etagenbettes in einem 16 Personen-Schlafraum. Abends kehrte allmählich Ruhe ein, doch so richtig schlafen konnte niemand. Auf den Vorschlag von Zakaria hin, den Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu erleben, standen wir um halb drei Uhr morgens auf, frühstückten schnell und brachen um drei Uhr in völliger Dunkelheit, mit Stirnlampen, Wanderstöcken und dicker Kleidung (Mütze und Handschuhe werden später noch wichtig) auf. Es war noch niemand sonst unterwegs und es war eine beklemmende Stille um uns herum. Langsam, Schritt für Schritt, arbeiteten wir uns voran – manchmal über steile Wege, manchmal über Geröll und große Gesteinsbrocken. Je höher wir kamen, desto öfter mussten wir stehenbleiben, um zu verschnaufen und tief durchzuatmen. Die zunehmende Höhe machte sich durch leichten Schwindel und Druck auf den Ohren bemerkbar. Zakaria schaffte es aber jedesmal, uns anzuspornen und die Freude auf den Gipfel zu befeuern.

Nach 3,5 Stunden hatten wir es geschafft! Es war – trotz August – sehr kalt und windig und wir sehnten den Aufgang der Sonne herbei. Nach dreißig Minuten endlich tauchte die heraufsteigende Sonne die Berge in zartes Licht: ein toller Moment!

 

bei Sonnenaufgang auf dem Toubkal-Gipfel, 4'167 m

bei Sonnenaufgang auf dem Toubkal-Gipfel, 4’167 m

 

Leicht durchgefroren machten wir uns schon bald wieder an den Abstieg, der ja auch noch einmal drei Stunden dauern würde und viel Kraft kosten sollte. 

 

Panorama beim Abstieg in den frühen Morgenstunden

Panorama beim Abstieg in den frühen Morgenstunden

 

Um 10 Uhr waren wir wieder zurück im „Basislager“ und stolz auf das Geleistete. Wir stärkten uns mit Nüssen und Tee, bevor die Reise dann mit der Rückkehr nach Imlil in die letzte Runde ging.

Alles in allem war es eine Reise, bei der man die Umgebung und sich selbst viel besser kennenlernt als bei jeder anderen Art des Reisens. Dank unserer Begleiter konnten wir alles genießen und fühlten uns jederzeit gut aufgehoben. Wir planen schon die nächste Exkursion!

 

P. Preuschoff, 11.9.2017